Rechnung verstehen
Tierklinik-Kosten: was stationär wirklich abgerechnet wird
In der Tierklinik gilt dieselbe Gebührenordnung wie beim Haustierarzt. Warum die Rechnung trotzdem höher ausfällt und was ein Tag stationär wirklich kostet.
Die Not-OP ist überstanden, das Tier bleibt drei Nächte in der Klinik, und am Ende steht eine Rechnung mit dreißig Zeilen und einer Summe, die den Kostenvoranschlag des Haustierarztes weit hinter sich lässt. Die häufigste Frage danach: rechnen Kliniken nach eigenen Preisen ab? Die Antwort ist nein - und gerade deshalb lohnt es sich zu verstehen, woher die Summe wirklich kommt.
Es gibt keine Klinik-Gebührenordnung
Tierklinik und Haustierarzt rechnen nach derselben Verordnung ab. Für jede Leistung gilt derselbe Rahmen:
(1) Die Höhe der einzelnen Gebühr bemisst sich, soweit nichts anderes bestimmt ist, nach dem Einfachen bis Dreifachen des Gebührensatzes. Die Gebühr ist innerhalb dieses Rahmens nach billigem Ermessen und unter Berücksichtigung der besonderen Umstände des Einzelfalles zu bestimmen, insbesondere unter Berücksichtigung 1. der Schwierigkeit der Leistungen, 2. des Zeitaufwandes, 3. des Zeitpunktes des Erbringens der Leistungen, 4. des Wertes des Tieres und 5. der örtlichen Verhältnisse. Bemessungskriterien, die bereits in der Leistungsbeschreibung berücksichtigt worden sind, haben hierbei außer Betracht zu bleiben.
Eine Position "Klinikzuschlag" existiert im Verzeichnis nicht. Dass Klinik-Rechnungen trotzdem höher ausfallen, hat drei Gründe, die alle in der Verordnung selbst stehen: der Faktor darf mit Schwierigkeit, Zeitaufwand und örtlichen Verhältnissen begründet höher angesetzt werden. Nachts, am Wochenende und an Feiertagen gilt der Notdienst-Rahmen. Und stationäre Aufnahme bedeutet schlicht mehr Positionen - jeder Handgriff steht einzeln auf der Rechnung.
Was ein Tag stationär kostet
Die Unterbringung selbst ist günstiger, als viele erwarten: 19,08 € je Tag für den Hund (Nr. 83), 11,45 € für die Katze (Nr. 84) - jeweils der einfache Satz, netto. Entscheidend ist der Wortlaut der Position: "ohne Behandlung und ohne Futterkosten".
Das heißt: der Tagessatz deckt nur den Platz. Alles, was während des Aufenthalts passiert, kommt als eigene Position dazu - und genau da entsteht die Summe:
- Infusionen: per Schwerkraft (Nr. 234) oder per Infusomat (Nr. 235), je Anwendung
- Überwachung: Monitoring mit bis zu zwei Parametern (Nr. 349) oder mehr (Nr. 350)
- Injektionen: jede einzelne über Nr. 221
- Kontrollen: die Folgeuntersuchung im selben Behandlungsfall (Nr. 34), oft täglich
- Futter und Medikamente: als Nebenkosten und Arzneimittel neben den Gebühren
Eine Klinik-Rechnung mit vielen Zeilen ist deshalb erst einmal kein Alarmsignal, sondern die vorgeschriebene Form: jede Leistung einzeln, mit laufender Nummer. Prüfen lässt sich genau das - Zeile für Zeile.
Warum die Nacht-Aufnahme mehr kostet
Die meisten Klinik-Aufenthalte beginnen als Notfall außerhalb der Sprechzeiten. Dann gilt:
(1) Für Leistungen, die bei Nacht, am Wochenende oder an einem Feiertag im Rahmen eines tierärztlichen Notdienstes erbracht werden, erhöhen sich die einfachen Gebührensätze nach § 2 Absatz 1 Satz 1 auf das Zweifache und nach Maßgabe des § 2 Absatz 1 Satz 2 bis auf das Vierfache. In den Fällen des Satzes 1 steht der Tierärztin oder dem Tierarzt daneben und abweichend von § 2 Absatz 1 Satz 1 eine Notdienstgebühr in Höhe von 50 Euro zu.
Dazu kommt einmal je Angelegenheit die Notdienstgebühr von 50,00 € - auch bei mehreren Tieren desselben Halters nur einmal. Wichtig für die Rechnung: der Notdienst-Rahmen gilt für die Leistungen im Notdienst. Was an den folgenden regulären Behandlungstagen passiert, läuft wieder im normalen Rahmen von einfach bis dreifach. Wie sich die Nacht im Detail auswirkt, steht im Notdienst-Artikel.
Anzahlung, Fälligkeit und die Rechnung danach
Zur Anzahlung sagt die Verordnung nichts - ob eine Klinik vor der Behandlung Geld verlangt, ist ihre Entscheidung und bei größeren Eingriffen üblich. Geregelt ist dagegen die Fälligkeit:
(3) Die Vergütung wird fällig, wenn dem Zahlungspflichtigen eine Rechnung erteilt worden ist.
Mit der Rechnung in der Hand hast du dann alles, was du zum Nachrechnen brauchst: jede Position trägt eine Nummer, jeder Betrag ergibt sich aus Einfachsatz mal Faktor. Unser Rechnungsprüfer rechnet dir das Zeile für Zeile nach - auch bei dreißig Zeilen. Und wenn du nach dem Nachrechnen sachliche Fragen an die Klinik hast: die Anlaufstellen helfen weiter, die Landestierärztekammern prüfen Rechnungen im Auftrag von Tierhaltenden.